Eigenschaften
Umformtechnik:
Umformen ist nach DIN8582 [Din82] als Fertigen eines
festen Körpers durch bildsames, plastisches Ändern der Form, wobei sowohl
die Masse als auch der Zusammenhalt beibehalten werden, definiert. Umformende
Fertigungsprozesse sind unter Kosten- und Qualitätsgesichtspunkten, insbesondere
bei der Fertigung von Serienprodukten, hochinteressant. Beim Massivumformen
setzt man als Ausgangswerkstücke gedrungene Voll- und Hohlquerschnitte ein.
[Din82]
Abhängig von der Starttemperatur des Umformvorgangs werden unterschieden:
- Kaltmassivumformung bei Raumtemperatur
- Halbwarmmassivumformung Stahl: 650 – 900 °C, Aluminium 200 - 320 °C
- Warmmassivumformung (auch Schmieden) Stahl: > 1000 °C, Aluminium 350 - 580
°C
Allen Massivumformprozessen ist gemein, dass durch Überlagerung großer Druckspannungen
hohe Duktilität erreicht wird und somit große Änderungen der Form zu erreichen
sind. Durch die komplexen Materialflüsse während des Umformprozesses müssen
Produkte im Detail oftmals an die Prozesse angepasst werden. Bei erfolgreicher
Anwendung der Technologie können dadurch stabile, hochproduktive Prozesse
erreicht werden, mit denen die Erzeugung belastungsoptimierter Bauteile möglich
ist.
Kaltmassivumformung
Wesentliche Prozesse der Kaltmassivumformung sind: Verjüngen, Fließpressen,
Stauchen, Gewindewalzen und Abstreckgleitziehen. Bei der Gestaltung und Fertigung
von Massivumformteilen wird angestrebt, diese möglichst ohne weitere spanende
Nachbearbeitung einsetzen zu können. Das bedeutet, dass die geometrischen
Abmessungen eng toleriert sein müssen und dass an Werkzeug und Werkstück gleich
bleibend gute Oberflächen erforderlich sind.
Während der Kaltmassivumformung wirken am Bauteil verschiedene mechanische
und thermische Vorgänge, die eine Produktverbesserung bewirken können.
Plastische Formänderungen in polykristallinen Realkristallen können durch
die Wanderung von null- oder mehrdimensionalen Fehlstellen im Realkristall
begünstigt werden. Durch diese Anhäufung von Versetzungen im Realkristall
behindern sich die Fehlstellen bei zunehmender Formänderung gegenseitig und
erhöhen so die Fließspannung des Grundwerkstoffs. Diese Erhöhung der Fließspannung
korreliert mit dem jeweiligen Umformgrad (Kaltverfestigung). Da Bauteile der
Kaltmassivumformung aufgrund der vorherrschenden Druckspannungszustände während
der Umformung sehr große Formänderungen erreichen können, zeichnen sich kaltmassiv
umgeformte Bauteile oftmals durch starke Kaltverfestigungen aus. Die Kaltverfestigung
bewirkt die folgenden Materialänderungen:
¬ Erhöhung der Streckgrenze und der Zugfestigkeit
¬ Erhöhung der Härte
¬ Erhöhung des Verformungswiderstandes
Nach einem Rekristallisationsglühen weisen Kaltmassivumgeformte Bauteile eine
sehr feinkörnige Struktur auf, die gerade bei hochbelasteten Bauteilen vorteilhafte
Bauteileigenschaften bewirken.
Durch die hohen auftretenden Kontaktnormalspannungen in Verbindung mit Relativbewegungen
des Werkstücks auf polierten Werkzeugoberflächen ergeben sich in der Massivumformung
im Allgemeinen Oberflächen mit sehr geringer Rauigkeit. Diese Mechanismen
und Vorgänge bewirken, dass neben einer Formänderung während eines Umformprozesses
auch Änderungen der Werkstoff- und Oberflächeneigenschaften hervorgerufen
werden. Auf Produktebene wirken sich diese Materialeigenschaften durch größeren
Widerstand gegen statische und dynamische Belastung aus, wodurch ohne Einbußen
der Belastbarkeit eine Fertigung mit geringerem Material- einsatz erreicht
werden kann.
Viele Produkte lassen sich bei geeigneter Nutzung dieser Vorgänge sowohl hinsichtlich
ihrer wirtschaftlichen als auch bezüglich ihrer technologischen Eigenschaften
erheblich verbessern. Voraussetzung dafür ist die frühzeitige enge Verzahnung
von Produktentwicklung und Prozessgestaltung.
[Din82] DIN 8582, Fertigungsverfahren: Umformen - Einordnung, Unterteilung,
Begriffe. Berlin, Beuth Verlag, 2003